„Three Steps to the Future“ Notizen zu Ben Evans‘ Präsentation 2021

Ben Evans hat seine alljährliche – wie immer lesenswerte – Präsentation publiziert: „Three Steps to the Future“. Ich habe die aus meiner Sicht interessantesten Punkte zusammengefasst und teilweise kommentiert.

Future

— Aus Cryptocurrency wird Web 3 und aus AR/VR wird Metaverse. Er beschreibt es als rebranding. Es handelt sich damit meiner Meinung nach jedoch um Klammern, die mehrere Elemente umfassen. So beschreibt Web 3 mehr als die Summe von Kryptowährungen, um monetäre Werte zu verschieben und Metaverse als Konzept kann auch Social Gaming umfassen.
— Im Web 3 gehen Inhaltserstellung und die Kontrolle des Netzwerks weg von Großunternehmen hin zu den Nutzerinnen. Starke These. Ist das realistisch? Ein Projekt wie Decentraland (eine Mischung aus Web 3 und Metaverse) nutzt Anträge, die alle Eigentümer zum Voten stellen können. Die Nutzer (=Miteigentümer der Welt) entscheiden dann, ob der Spielername Hitler verboten sein soll. Es kann praktisch alles abgestimmt werden, wie bei den Volksentscheiden in der Schweiz. Aber: Will ich mich als Nutzer darüber hinaus mit großen Infrastrukturfragen zum Funktionieren eines Netzwerks oder Spieles befassen?
— NFTs bei Collectibles sind nach wie vor gefragt und Unsummen von Geld fließen rein. Hier stellt sich die Wertfrage. In seinem aktuellen Podcast fragt Evans nach einem kulturellen Wert und zieht die Analogie zu den Sammlern von Schallplatten. Seit Jahrzehnten bezahlen Liebhaber für Erstpressungen von z.B. den Sex Pistols extrem viel Geld. Bis heute. NFTs existieren erst seit einigen Jahren (Hallo Cryptokitties!). Technisch interessant. Für den Use Case Collectibles sehe ich NFTs als (wichtige) Spielerei an. Ansonsten halte ich NFTs im Bereich Collectibles für reine Spekulation.
— VR/AR sind das nächste universelle Device nach den Smartphones. Selbstausdruck, Identität und Popkultur entstehen zunehmend in Spielen.
— Roblox als Plattform für Erfahrungen? Ein Ökosystem aus unzähligen Entwicklern sowie User-Generated-Content hält Spiele über viele Jahre aktuell, anstatt alle paar Jahre ein teures fundamental neues Spiel zu entwickeln.
— Die Spielindustrie ist noch immer relativ klein. Anzahl Core-Gamer: Ca. 250 bis 350 Millionen täglich weltweit. Alleine Snapchat nutzen täglich fast 300 Millionen Menschen.
— Der jährliche Umsatz von Mobile Games ist höher als der kombinierte Umsatz von PC- und Konsolengames.
— Es ist unklar wann und wie konkret die neue Normalität mit Web 3 und Metaverse aussieht. Orientierung bieten die Grundbedürfnisse „Identity, Self-expression, place and self“. Die Entwicklungen, die diese Bedürfnisse unterstützen, könnten als Sieger entstehen.

Today

— Die Nutzung von Cloud-Diensten steht noch immer am Anfang (10-15% IT-Ausgaben gehen in die Cloud p.a.).
— Durch SaaS: MitarbeiterInnen in allen Branchen und Fachbereichen nutzen jedes Jahr mehr Apps und Anwendungen .
— „The Cloud means workflows, not better file shares,“ schreibt Evans. Damit beschreibt es einen Effekt zweiter Ebene (ein Essay dazu ist von mir in Arbeit). Seine Aussage: Statt eine lokale Tabelle einfach in die Cloud zu schieben, damit alle dran arbeiten können, geht es um neuartige Möglichkeiten das ursprüngliche Problem besser zu lösen. Durch Cloudanwendungen. Auf Slide 45 nennt er Frame.io, einen Service, um online kollaborativ Videos zu editieren. Mit dem Service braucht man kein Slack, keine E-Mail oder Filesharing mehr, um Videos professionell und schnell zu bearbeiten.
— Die Building Blocks networks, market places, workflows und machine learning sind heute produktiv nutzbar. Es entstehen noch viele Unternehmen, die die heutigen Probleme mit diesen Building Blocks besser lösen werden.

Past

— „Everything the internet did to music or newspapers is now happening to everyone else.“ Slide 50.
— Im Unterhaltungsbereich geben netflix, amazon und apple mehr aus als viele der Platzhiersche .
— Live-TV nimmt bei den 16-34 jährigen in der täglichen Nutzung weiter ab. Subscription Streaming und Youtube nehmen weiter zu.
— Onlinehandel hat im Höhepunkt 2020/21 fast 40% der gesamten Handelsumsätze in UK gemacht.
— Amazon Logistics wächst exponentiell und könnte 2022 Nr.1 in den USA vor Fedex und UPS sein.
— Shopify ermöglicht neuen Shops / D2C-Brands teil des Booms zu sein. In den vergangenen 12 Monaten hat Shopify über 160 Milliarden $ Umsätze ermöglicht.
— Je kleiner die Brand, desto größer ist ihr Umsatzanteil über Online-Kanäle.
— „Apple makes more from platform rents than the entire global music industry, or netflix.“ Slide 84

Ben Evans auf Twitter.

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